Best of MP3 downloads

Detailierte Künstler Informationen: Otto Reutter

Info in english

Otto Reutter

Otto Reutter aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Otto Reutter, eigentlich Otto Pfützenreuter, (* 24. April 1870 in Gardelegen; † 3. März 1931 in Düsseldorf) war ein deutscher Komiker.

Sohn eines Ulanen, stammte er väterlicherseits aus einer armen katholischen Familie aus dem Eichsfeld. Reutter besuchte die katholische Volksschule in Gardelegen und absolvierte eine Lehre als kaufmännischer Gehilfe. Nach Abschluss der Lehre riss er nach Berlin aus und verdingte sich als Charge an Schmierentheatern, versuchte sich als Schauspieler und als Komiker in kleinen Berliner Theatern.

Danach verschlug es ihn nach Karlsruhe, wo er sich alsbald einer Truppe von Wirtshaussängern und -komikern anschloss.

1895 wagte er wahrscheinlich im schweizerischen Bern einen ersten Auftritt als „Salonhumorist“. Im Jahr darauf hatte er dann in Berlin seinen endgültigen Durchbruch. Hierbei wirkte insbesondere sein Talent, komisch-pointierte Verse in eingängigen Melodien im Sprechgesang vorzutragen und dabei selbst durch seine Erscheinung ironisch-komisch zu wirken. Nach diesem schicksalhaften Auftritt im „Wintergarten“-Varieté des Berliner Central-Hotels gehörte Reutter zu den umjubelten Stars und konnte sich in den folgenden Jahrzehnten durch großes Talent und großen Fleiß an der künstlerischen und finanziellen Spitze der deutschen Kleinkunstbühnen-Artisten halten.

In der Zeit des Ersten Weltkrieges und auch einige Zeit danach, sang er viele Lieder, in denen das Geschehen und die allgemeine Meinung teilweise eher kritisch als humorvoll dargestellt wurde. So erzählt das Lied Ich möcht' erwachen beim Sonnenschein eher melancholisch, teilweise sogar sehr traurig über die allgemeine Stimmung in der Nachkriegszeit und Reutters Verlust seines Sohnes Otto Reutter jun. (geb. 1897?) in der Schlacht um Verdun.

In den zwanziger Jahren trat Otto Reutter mit jenen Couplets auf, die heute noch bekannt sind und die u. a. von Peter Frankenfeld, Robert Kreis und anderen Interpreten vorgetragen und umgesetzt wurden. Insgesamt hat er über 1000 Couplets verfasst, die in diversen Schallplatten-Aufnahmen erhalten sind, die meisten von ihm gesungen, jedoch auch einige von Sängern wie Gustav Schönwald oder Armin Berg vorgetragen. Die Schallplattenaufnahmen von Otto Reutter wurden teilweise von einem Orchester begleitet (Grammophon-Studioorchester unter der Leitung von Bruno Seidler-Winkler, später vom Paul-Godwin-Ensemble unter Leitung Paul Godwins), teilweise hatte er eine Klavierbegleitung. Reutters frühe akustische Aufnahmen wurden zumeist durch das Grammophon-Studioorchester begleitet, die späteren elektrischen Aufnahmen durch Klavier oder das Paul-Godwin-Ensemble.

Otto Reutter betätigte sich auch als Schauspieler. So spielte er 1914 in zwei Kurzfilmen mit, Otto heiratet und Otto als Dienstmann. Möglicherweise war er auch an den Filmen Otto, der Kinostar und der Dackel und Otto hat Pech beteiligt, diese Filme weisen aber außer im Titel nicht auf Otto Reutter als Mitwirkenden hin. Von den vier Filmen existieren keine Exemplare mehr, lediglich drei Standbilder sollen erhalten sein.

Er spielte außerdem in verschiedenen Filmen als Statist mit, unter anderem in einem Film über den Hauptmann von Köpenick.

Überanstrengt und durch persönliche Schicksalsschläge gezeichnet wollte sich Reutter 1919 nach dreißig harten Berufsjahren mit einem Millionenkonto in den Ruhestand begeben. Sein Vermögen hatte Reutter in seinem Haus in Gardelegen (der so genannten Waldschnibbe) und in Kriegsanleihen vermeintlich sicher angelegt. Bedingt durch das Kriegsende und die Inflationszeit verlor er aber große Teile dieses Vermögens und war weiterhin darauf angewiesen, mit seinen Couplets durch die Varietés zu tingeln. So entstand ab 1919 sein „Alterswerk“ - seine von Humor und Melancholie, Lebensweisheit und altersmilder Naseweisheit gekennzeichneten Couplets, die noch heute zum Bestandteil des deutschen Humors für gehobene Ansprüche gehören. In seinen Couplets sah er nicht nur gesellschaftliche Ereignisse voraus, sie spendeten auch Trost in Zeiten der Entbehrung. Allerdings folgten seine Couplets immer dem jeweiligen Zeitgeschmack und den Tagesereignissen. Man lachte mit der Menge des Volkes über den Erbfeind, über den Reichstag, über das Wunderpferd Hans, über die Gewerkschaft, über die Frau. Reutter forderte in einem Couplet der 1920er Jahre sogar einen neuen starken Führer, damit es vorwärts gehen sollte - wenngleich er sich sicher dabei nicht einen Adolf Hitler vorstellte. Seine Couplets zeigen somit den damaligen Zeitgeist recht eindrucksvoll. Auch sein heute noch wohl bekanntestes Couplet, Der Überzieher, stammt aus dieser Zeit. (Seh ich weg - von dem Fleck / Ist der Überzieher weg!)

1930 gab Reutter in der Funkstunde des Rundfunks ein ausführliches Interview.

Erkrankt und erschöpft starb Otto Reutter während einer Gastspielreise Anfang 1931 in Düsseldorf. Er wurde in Gardelegen beigesetzt.

Werke (Auswahl

* Aber der Mann
* Aber keiner fängt an
* Ach, machen ´se das nochmal
* Ach wie fein (wird's in 100 Jahren sein) (um 1900)
* Das Hirschfeldlied (1908)
* Der Kriegsgewinnler (1919)
* Alles wegn de Leut (1926)
* Berlin ist ja so groß
* Bevor de sterbst
* Das ist so einfach und man denkt nicht dran (1925)
* Der Blusenkauf
* Der gewissenhafte Maurer (1920)
* Der Überzieher (1925)
* Die Liebesgabenkiste
* Die ganze Geschicht', die lohnt sich nicht
* Ein Sachse ist immer dabei (1930)
* Einmal im Jahr
* Es geht vorwärts
* Es ist nichts Halbes, es ist nichts Ganzes
* Es geht mir in jeder Hinsicht immer besser
* Gräme dich nicht
* Gründ´n wir´ne GmbH
* Herr Neureich
* Ich kann das Tempo nicht vertragen
* Ick wunder mir über janischt mehr
* In fünfzig Jahren ist alles vorbei (1920)
* Ist das nicht komisch
* Laß dir bloß die Nase ändern
* Laßt sie hungern
* Man sagt
* Man wird ja so bescheiden
* Mit der Uhr in der Hand
* Na, nun tun ´se mal nicht so
* Nun gerade nicht
* Nun weißt du Bescheid
* Nehm se 'n Alten (1926)
* Mir hab'ne se als jeheilt entlassen (1928)
* Phantasie ist jederzeit schöner als die Wirklichkeit
* Sei gescheit
* Sei modern
* Sei nicht blöd
* Und dadurch gleicht sich alles wieder aus (1928)
* Und so kommen wir aus der Freude gar nicht raus (1930)
* Was ich nicht weiß
* Widewitt bumbum
* Wie reizend sind die Frauen
* Wir fang´n noch mal von vorne an (1925)
* Zwanzig Jahre später

Literatur

* Theodor Oppermann (Herausgeber): Otto Reutter - Ein Gedenkbuch über sein Leben und Schaffen. Verlag G. Danner, Mühlhausen (Thüringen) 1931
* „Wie wird man Humorist?“, Theatergeschichten, Schnurren und Couplets., Hörcollage mit Walter Plathe und Horst Maria Merz (Piano), duo-phon records, 2004, ISBN 3-937127-05-4

Weblinks

* Literatur von und über Otto Reutter im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
* Ausführliche Fanpage mit vielen exzellenten Hörbeispielen


This User-contributed text is available under the Creative Commons By-SA License; Source: Last.fm.

Zurück