Jaffa alias David Kakon aus Montreal hat sich für seine Karriere als neuer Held der Café Del Mar-Generation auf zweierlei Weise qualifiziert: zum einen durch den exzessiven Konsum von Jazz- und Funk-Platten der 60er- und 70er-Jahre und zum anderen durch ein Mathematik-Studium. Letzteres half ihm womöglich dabei, die verschlungenen Phrasierungen des Jazz in moderne, Lounge-kompatible Downbeats zu strukturieren, egal ob diese lasziven Riffs und Melodien nun sampletechnisch geborgt oder selbst auf dem Fender Rhodes eingespielt sind.
Im Grunde macht Jaffa da weiter, wo Massive Attack dereinst mit Blue Lines anfingen, nur verfolgt er -- wie der selbstironische Albumtitel Elevator andeutet -- ein bescheideneres Ziel: Chillen auf hohem Niveau, "Fahrstuhlmusik" für den Strand, die keine allzu hohen Ansprüche stellt, aber sehr sexy und entspannt daherkommt. Der Titeltrack ist übrigens gleich in drei Versionen enthalten, wobei der Herbaliser-Remix sich als besonders tanzbar und die Fila Brazilia-Version sich (ausnahmsweise) als eher unerheblich erweist. Die meisten Tracks sind instrumental, "Sneakin'" kommt allerdings auch in einer sehr schönen Vokal-Version daher, die man auch dann noch schätzen kann, wenn man den exakt gleichen Beat schon vor knapp zehn Jahren bei Massive Attack gehört hat. Fazit: Elevator ist ein locker-leichtes Sommeralbum für das ganze Jahr. Nicht mehr und auch kein bisschen weniger. --Christian Arndt
INTRO
Was hat die Zitrusfrucht mit dem Fahrstuhl zu tun? Die Zitrusfrucht hat den Fahrstuhl aufgenommen. Das ist nicht Dada, sondern Jaffa. Die Verbindung zwischen Fahrstuhl und Frucht wird klar, wenn man diese Platte hört: Zitrusfrüchte brauchen Sonne, um zu reifen. Wenn sie dann reif sind, kann man sie - wer hätte es gedacht? - essen. Sogar auch als Obstsalat, köstliche Cocktails und Säfte shaken und pressen. Letzteres. Eiswürfel und einen Strohhalm. Mit süßem Drink in der Hand erhebt man sich vom Liegestuhl am Swimmingpool, denn man kam auf andere Gedanken: im Schlafzimmer könnte es kühler sein, die Hitze und die Sonne machen nur müde und schläfrig. An der Außenwand des futuristisch anmutenden Ferienhauses ein gläserner Aufzug, der dich in die dritte Etage bringt. Hmm, wie angenehm, hier ist es so viel besser. Du gehst zu deiner Stereoanlage und legst die Platte auf, die du auch schon vorher im Ohr hattest. Du liebst sie, denn sie bringt dich mit ihren warmen Orgel- und Pianoklängen, ihren soften Beats und dem relaxten Charme verblasster und stumm gewordener Soulgrößen in jene gewisse Stimmung, die deine Nippel ebenso hart wie den Eiswürfel werden lässt, den du dir am Hals entlang den Körper hinuntergleiten lässt, bis er geschmolzen ist. Du leckst dir die Lippen. Sie schmecken nach Tequila Sunrise. Wie passend.
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