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Detailierte Künstler Informationen: Dcs

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Dcs

Es gibt mindestens zwei Bands mit dem Namen DCS:

1. eine indische Bhangra-Band (Homepage)
2. eine deutsche Hip-Hop-Band:

Keine großen Worte, keine fake-verklärten Images, keine überladenen Bombast-Produktionen : "nur" dicke Beatz und technisch versierte Reime , Cuts und Scratches im Gepäck gehen DCS in diesem letzten Jahr vor der Jahrtausendwende steil.

Der Albumtitel "1999...Von Vorne!" spricht für sich selbst. Das mittlerweile dritte Album steht für eine Rückbesinnung auf die ureigensten Kräfte plus die Reduzierung auf die Essentials der Kölner HipHop-Crew aus Schivv, Rotz, Peerbee und DJ Lifeforce - welche sich übrigens bereits im Crewnamen dokumentiert. "Von Vorne, räumlich wie zeitlich. Dieses Album ist zwar eine Art Neubeginn für uns, es ist trotzdem offensiv und direkt in’s Gesicht!" stellt Schivv fest.
Es gehört zu jener Art HipHop-Album, die man sich -vorzugsweise via Mundpropaganda- als Geheimtip weiterempfiehlt und seinen engsten Homies zum Geburtstag schenkt. Eben was Besonderes.

"Wie war das noch mal ?" - DJ Peerbee, Rotzlöffel, Schivv, sowie damals noch Dr. Mülla waren in Cool Colognia seit anno ‘91 als Die Coolen Säue szeneaktiv und mutierten dank zahlreicher überzeugender Samplerbeiträge zu einer der ganz großen Nachwuchshoffnungen im noch jungen deutschsprachigen Rap-Biz. 1994/95 galt es dann als Gruppe ,aber auch persönlich, schwierige Situationen zu durchleben: intensive Selbstfindungsprozeße, selbstkritische Rückschau und Motivationschecks jeder der vier Coolen Säue ließen im Laufe der Zeit die Lyrics & Beats zu der ‘96 über das Majorlabel BMG Ariola gedroppten Elpee "Stärker als das Schicksal" entstehen.

Mit "Ungesund und Teuer", ihrem Ende '97 auf BMG erschienenem zweiten LP-Release, konnte man zum ersten Mal in einem geballten Zeitraum eine Produktion ablegen, die weitaus mehr ihren Live-Zustand widerspiegelte, als die erste LP, wo noch viel Stückwerk und etliche alte Tracks gefeatuered waren. "Ungesund und Teuer" wurde eher ein Konzeptalbum und führte dazu, daß sich DCS als Gruppe mehr formieren konnte - Dr. Mülla verließ zuvor (musikalisch) die Crew, DJ Lifeforce stieß als Plattendreher dazu. Die Powerfrau Brooke Russell steuerte, wie ansatzweise bereits auf dem DCS-Debütalbum geschehen, live on stage und auf Platte ihren soulvollen Gesang bei. "Ungesund & Teuer war ein neuartiges, fast glamouröses Album. Es deckte sehr viele Klangfarben ab und war textlich mehr als ehrlich. Wir waren damals sehr enttäuscht, daß es nur so wenige wirklich zu schätzen wußten!" erinnert sich die Crew heute rückblickend.

Mit großer Begeisterung nahmen die vier kölschen Jungs auch den Titeltrack zum Mitte März '98 gestarteten Überraschungserfolg unter den deutschen Kino-Komödien "Die Musterknaben" (Regie : Ralf Huettner) auf. Das positive Feedback auf ihren gerappten musikalischen Beitrag war enorm - zumal seinerzeit noch ein Novum in diesem Genre.

Wie eine Komödie hingegen erschien DCS ihr Plattendeal nicht - eher als Drama. Unzufriedenheit auf beiden Seiten führte zur einvernehmlichen Trennung der Gruppe vom Majorlabel, es folgte quasi ein "Neuanfang". Angestaute Wut einerseits, ungezügelte Energie andererseits - das Ergebnis : HipHop in seiner ungefiltertsten Form. Ihre Bizness-Erfahrung, die kontinuierlich erarbeitete Glaubwürdigkeit innerhalb der Szene und der tighte Teamgeist innerhalb der DCS-Crew ließen "1999...Von Vorne!" zu einer gewachsenen Platte heranreifen. Eine LP unter neuen Vorzeichen, 13 Tracks voller Emotionen und dem Drang, diese möglichst vielseitig und direkt dem Hörer zu vermitteln - man ist "Reich durch Erfahrung", Colognias Crew ist "zurückgekommen, wie der verlorene Sohn". Ihre neue Labeladresse lautet Deck 8 Records. Insgesamt betrachtet ein heutzutage ebenso ungewöhnlicher, wie mutiger Schritt – DCS dazu : "Es ist schon irgendwie lustig: Alle deutschen Rapacts gehen steil, und wir wechseln vom Major auf ein Indie-Label; HipHop wird zum Business und wir gehen underground. Das Leben, halt."

"1999...Von Vorne!" definiert punktgenau ihre erwachsene Sichtweise der HipHop-Welt - und das ist eben die von Trendsettern und nicht von Stylebitern! Kreativität, die auch aus der optimalen Nutzung von individuellen Freiräumen entsteht. So checkte jeder der DCS - Headz seine individuellen Möglichkeiten : Schivv und Rotzlöffel glänzten auf der im Spätsommer '98 auf Deck 8 erschienenen HipHop-Compilation "FlowZirkus" mit ebenso unterschiedlichen, wie beeindruckenden Solo-Visitenkarten; Schivv arbeitete (gemeinsam mit Lifeforce und Peerbee) u.a. mit dem ortsansässigen Freestyle-Wonderboy Lenny , sowie als fachkompetenter Schreiber für das HipHop-Mag "JUICE" und DJ Lifeforces legendäre Mixtapes & siedend heiße Parties ("Beatz aus der Bude"-Fame) ließen Köln und den Rest der Republik kopfnickend & geflasht zurück. Peerbee feilte derweil kontinuierlich an seinen Produktions-Skillz und entwickelte einen ganz eigenen , pumpenden Style. Beide formieren –zusammen mit Schivv- "DCS-Productions", einen Beat- und Produktionspool für talentierte MCees, welche bislang ohne eigene Tracks auskommen mußten.
Mit "Stift & Papier" und "Feuer" schleuderte man bereits im Frühjahr ' 99 mit großem Erfolg zwei eigenproduzierte Teaser aus "1999" auf einer 12" unters Volk. Bereits ein halbes Jahr später detoniert nun die LP-Bombe auf Deck 8 Records/Zomba. Dazwischen lag die exklusive Samplervorabauskopplung der DCS-Neuaufnahmen "Open Spaces" (auf dem vom Juice Magazin kompilierten "DeutschRap!"-Sampler) und "Hirnsturm" (welches auf dem "Flavamatic Records"-Sampler gefeatured wurde).

Versatility und Authentizität prägen ihren "1999"-Approach bis ins kleinste Molekül : die jüngste Vergangenheit thematisieren und bewältigen dabei Tracks wie "Ladehemmung", einer ungeschönten Darstellung der nicht immer einfachen Zeit nach dem Majordeal oder nimm "Stift & Papier" zur Hand, dann erkennst Du die wahre Klasse von DCS in ihrer einzigartigen Fähigkeit zur kritischen Selbstreflektion.
Mit Album Nummer Drei hat man aber auch neue musikalische Soundlandschaften entdeckt: Dub-Riddims und braggin 'n boastende Lines, wie auf "(MC's heulen) Rotz und Wasser" vermischen sich zu einer bislang ungehörten Entspanntheit im DCS-Camp.

Auserlesene Kollabos erweitern zusätzlich das faszinierende DCS - Mosaik: die Freude lag hörbar auf beiden Seiten - "Feuerkreis" (dem Remix von "Feuer"), welches in Bedford Stuyvesant, Brooklyn mit der New Yorker Underground-Crew Devious Squad und unter dem keineswegs 'abwegigen' Produktionsstyle von deren Knöpfchendreher Spike Rebel (u. a. Common) entstand; das messerscharf mic-rockende "Open Spaces" mit Mindens Finest Curse und seinen Cusengoes Der Klan, "Austausch" mit Bintia, Lenny und einer -Premiere!- auf Deutsch rappenden Brixx, stehen für diese einzigartigen Studioerfahrungen. Selbst der entspannte Katzensprung von Kölle nach Kalifornien auf "Connections", welcher vor zwei Jahren mit Mystik Journeymen von der Bay Area aufgenommen wurde, kickt fresh wie gerade gepreßt und läßt alle schwachbrüstigen MC's da draußen vergleichsweise im Dauer-Jet-Lag erscheinen! "Wir machen nur Tracks mit Leuten, die wir wirklich fühlen; Freunde, mit denen wir spezielle Momente hatten. Insofern sind alle gefeatureten Artists irgendwie Familie!" staten die Kölner.

Bei der Produktion, zum größten Teil gruppenintern in den Händen von Peerbee und DJ Lifeforce, stammen einige auserwählt-feine Momente auch von Headrush-Chiefrocka Roe Beardie und Der Klan-Mastermind Lord Scan (Curse, Brixx, Brooke Russell). Vorangetrieben durch vorzugsweise abstrakt-kickende, Funk-infizierte Beatz, liefert die Musik den idealen Freiraum für die straighten messages von Schivv und Rotzlöffel, welche mittels verschiedener Flavours -sowohl in Punkto Lyrics, als auch im Reimstil- kredenzt werden: Rotz mit der sehr direkten, kraftvollen Delivery; Schivv mit eher verschachteltem Schema und Lyrics für den ‚zweiten Dig‘.
Die DJ-Maßarbeit aus kunstvollen Cuts & Scratches, überall handwerklich fein von Lifeforce eingewoben, läßt die Wandlung des Plattendrehers zum vollwertigen Klangkünstler -gleichberechtigt neben den MCs und Produzenten- spürbar werden. Abgemischt wurde der neue DCS-Longplayer, wie seine beiden Vorgänger, bei den Vollprofis und Freunden von Headrush Productions.

Slangtechnisch bedient man sich gezielt in Vergleichen, Bildern und Links aus der unmittelbaren Lebensumgebung. - Authentizität spiegelt sich schließlich gerade in diesen Details wieder. "Der Shit ist Bruce wie Bongo" - ist also ergo:" Geil!" Alle Gänge schaltend bewegt man sich als eingespieltes Team durch die eigene (auch musikalische) Vergangenheit, Gegenwart und blickt optimistisch in die Zukunft. Kommunikation in seiner höchsten Form - "DCS aus Cool Cologne rockt das Haus" bleibt definitiv keine leere Versprechung!
Man ist "kompetent durch die Jahre" : Reim-Flows, im Zeichen des Wassermanns und "das Konzept wie Pizza-Taxi / denn was zählt ist die Delivery". DCS stellen sich, wie jeher, der Competition, und überzeugen letzten Endes durch Qualität.

DCS - ein Leben bestimmt vom HipHop, "1999...Von Vorne" atmet diesen Spirit und bläst uns seine Seele in Form von Lyrics und Beatz entgegen. "Dieses Jahr, wie letztes Jahr, wie nächstes Jahr - und nicht zum letzten Mal" -auf Jedsten!
Chris Maruhn


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