Biografie
Es sind die kleinen Dinge im Leben, die glücklich machen.
Frühstück im Bett. Champagnerprickeln auf der Zunge. Barfuss über eine grüne Sommerwiese laufen. Ein Anruf von Freunden, weil sie dich vermissen. Die Schönheit eines Sonnenuntergangs. Oder das Debüt-Album von Amaree.
Die Londoner Sängerin ist kein akustischer Leisetreter. Und auch sonst kein Kind von Traurigkeit. Sitzt man ihr gegenüber, ist man erstmal weg. Fort und hinweg von soviel Charme, den sie versprüht. Und wie die Frau redet, gestikuliert. Und lacht. Amaree lacht so befreiend laut, dass man sofort mitlachen muss, auch wenn man nicht verstanden hat, um was es eigentlich gerade geht. Die Frau hat nicht nur Charme, sondern auch Witz und jede Menge Energie. Alles Attribute, die sich auch in ihren Songs widerspiegeln. Ihre Lieder sind wie Rettungsinseln im Ozean der Formatradios – kraftvolle Glanzpunkte voller Rock, Pop, R’n’B und viel, viel Soul. Und es sind Lieder voller Geschichten, die die Sängerin größtenteils selbst erlebt und zu Papier gebracht hat. Mit Songs wie „Lovin’ This Fool“, Something Special“ oder „Wrong Side Of Love“ dürfte jeder etwas anfangen können. Gefühlsechtes Ohrenkino eben. „Liebe ist eben nicht nur das Gefühl, Schmetterlinge im Bauch zu haben, sondern auch schwierig und richtige Arbeit. Manchmal ist die Linie zwischen Liebe und Hass sehr schmal. Darüber möchte ich singen, das hat auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun.“
Doch erstmal von vorn. Natürlich ist mal wieder die Familie schuld daran, dass wir das wunderbare Debütalbum dieser Vollblutsängerin in den Händen halten können. Amarée wuchs inmitten der ethnischen und kulturellen Vielfalt West Londons auf, die Familie emigrierte aus Jamaika. Natürlich bestimmte auch die Musik den Haushalt. Zuhause hörte ihre Mutter alles zwischen Reggae und Soul, ihre Großeltern (wo sie mit ihrer Mutter lebte) hatten sogar ein vollständiges Studio daheim, in dem ihre Onkel und Cousins mit ihren Bands probten. „Musiker kamen und gingen. Eigentlich ging es bei uns zu wie in einem Taubenschlag“, erzählt Amaree. „Das hat mich extrem geprägt.“ Es war nur eine Frage der Zeit, bis Amaree selbst mit den verschiedensten Musikstilen experimentierte.
Später sang sie in ihrer eigenen Band namens „West Row“, die der Vorstellung ihres persönlichen Musikstils schon sehr nahe kam. „Wir spielten Rock mit hartem Soul-Einschlag. Das passte sehr gut zu meiner kraftvollen Stimme.“ Die Band nahm Songs auf, tourte, spielte sogar auf Festivals wie Glastonbury, hatte eine stattliche Fanbase – aber irgendwie fühlte es sich für Amaree nicht richtig an. Der große Erfolg blieb aus, nach Jahren trennte man sich.
Über ihren Co-Songschreiber Kenny Yeomans bekam die Sängerin dann Kontakt zum Hamburger Produzenten Franz Plaza (u.a. Selig, Echt, Kim Frank). Amaree reiste nach Hamburg, um Plaza in dessen legendären Home-Studios zu treffen – und blieb. „Ich wollte immer meinen eigenen Stil und meinen eigenen Sound kreieren“, sagt Amaree. „Franz war der erste, der mich gelassen hat, mich nicht in ein Korsett gezwängt hat, das mir nicht passte und das ich nicht wollte. Wir passen wirklich perfekt zusammen.“
Was aber ist dieser typische Amaree-Sound? „Ich wollte immer schon ein klassisches, zeitloses Soulrock-Album machen, das die Leute auch nach zehn Jahren noch begeistert. Das ist das größte Kriterium für mich überhaupt, Musik zu machen. Meine Stimme passt dazu einfach gut, schließlich höre ich mich so an, als hätte ich Dreck gefressen.“ Zu viele Stunden in zu vielen Bars können auch etwas Gutes haben. Plaza selbst bezeichnet das Arbeiten mit Amaree als Glücksfall: „Sie besitzt eine außergewöhnliche und einmalige Ausstrahlung und hört sich mit ihrer Stimme wie eine Mischung aus Millie Jackson, Skin von Skunk Anansie und Janis Joplin an.“
Das Schreiben neuer Songs bedeutet für Amaree nicht notwendiges Übel oder Qual, sondern natürlicher Prozess. Manchmal Tagebuch, manchmal Therapie, aber immer Lust. „Jedes Mal, wenn ich einen Song fertig geschrieben habe, fühle ich mich irgendwie freier“, sagt sie. Ihr Talent haben auch andere erkannt: Schon Musiker und Sängerinnen wie Ex-Spice-Girl Geri Halliwell oder Ikone Kylie Minogue haben auf Material der Songschreiberin zurückgegriffen.
Vorbilder hat Amaree viele, Inspiration kommt auch von anderen Musikern. Tina Turner gehört zu ihren Alltime-Favoriten, ebenso wie Gladys Knight, Carole King und Sade. James Morrison findet sie ebenso spannend wie John Legend oder Ray Lamontagne. An Bill Withers schätzt sie die Vibes, die seine Musik versprüht. Und sie liebt die Eurythmics, heute wie damals. „Ihre Musik ist ein Mix aus vielen verschiedenen Elementen, eine Verschmelzung ihrer Persönlichkeiten, deren Umgebung und Einflüsse. Im Grunde genommen ist das die beste Umschreibung für meinen ganz eigenen Stil. Auch ich versuche, mir von allen das Beste abzuschauen. Die Power einer Annie Lennox, verknüpft mit dem Soul einer Carole King, der stimmlichen Wut einer Janis Joplin und dem positiven Denken meiner Mutter – ich glaube, das wär es.“ Sich selbst bezeichnet Amaree als ambitioniert und ehrgeizig, aber nicht verbissen. „Dinge geschehen, das ist Schicksal. Das wichtigste ist, seine gute Laune zu behalten, auch wenn man Fehler macht. Niemand ist perfekt.“
Perfekt zwar nicht, aber dennoch außergewöhnlich. Menschlich, stimmlich, musikalisch – Amarée vereint auf sich eine Menge Eigenschaften mit großer Wirkung. Die Frau sorgt mit ihren energiereichen Soul-Songs nicht nur für fantastisch zeitlose Atmosphäre, sondern hat auch den so heiß begehrten Wiedererkennungseffekt in der Stimme, mit dem man Amaree aus hundert anderen herausfiltern kann.
In der Liste ihrer Hobbys gibt Amaree übrigens „Badminton“ an. Welcher Popstar tut das schon? Noch ein Grund mehr, diese Frau – nicht nur für ihre Musik – zu lieben!
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