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Artist Detailed Info: Wolf Rosenberg

Info auf deutsch

Wolf Rosenberg

German composer, born January 17, 1915 in Dresden; died January 18, 1996 in Frankfurt am Main.He studied
with Stefan Wolpe and also performed as cellist, pianist and music critic.

Biographie

Wolf Rosenberg wurde am 17. Jan. 1915 als Sohn des Hutfabrikanten Erich Rosenberg und seiner Frau Charlotte Rosenberg, geb. Hoffnung, geboren. Schon als Kind wurde er Vollwaise und wuchs seit 1925 bei seinem verwitweten jüdischen Großvater Hans Hoffnung in Berlin auf. Dort besuchte er das Arndt-Gymnasium, wurde in Klavier, Cello und Klarinette unterrichtet und entwickelte sich zum Opernliebhaber, der lieber die Proben der Berliner Opernhäusern als die Schule besuchte. Das führte 1932 zu einem Wechsel an die reformpädagogische Odenwaldschule in Heppenheim, wo er mit Wolfgang Hildesheimer eine lebenslange Freundschaft schloss.

Nach dem Abitur 1933 war für ihn als Jude im nationalsozialistischen Deutschland ein Studium nicht mehr möglich, so dass er auf Wunsch des Großvaters ein Jahr in der Filiale des Familienunternehmens, eines Getreide-Export-Import-Geschäfts in Amsterdam arbeitete. Dort nahm er Klavierunterricht bei James Simon und Cellounterricht bei Jan Wagemaker und begann dann 1934 ein Studium der Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte in Bologna und Florenz. Als die Familie Hoffnung 1936 nach Palästina emigrierte, wo sein Onkel Ludwig die Hoffnung Bank in Haifa gründete, entschloss sich auch Wolf Rosenberg, zum Studium dorthin zu gehen, denn im selben Jahr hatte Stefan Wolpe am Palestine Conservatoire of Music and Dramatic Dance in Jerusalem Komposition zu unterrichten begonnen. Neben Rosenberg gehörten Herbert Brün, Peter Jona Korn, Herbert Kaplan, Werner Süßmann und Haim Alexander zu Wolpes Schülern, deren Unterricht 1938 abrupt abbrach, als sein Vertrag am Konservatorium nicht verlängert wurde. Rosenberg charakterisierte Wolpes an Arnold Schönbergs-Schule orientierten Unterricht anlässlich des vielbeachteten Abschiedskonzertes im Oktober 1938: „[…] Theorie wird lebendige Bewusstmachung musikalischer Vorgänge, wird Aufdeckung von Gesetzmäßigkeiten, die sich auch in anderen Künsten und im ganzen menschlichen Leben aufzeigen lassen.“ (PSSt WolpeS Box 26, fol. 14, Wolf Rosenberg, Kompositionsunterricht bei Stefan Wolpe, Programmheft-Typoskript) Die 1935 von Wolpe gegründete Jerusalemer Abteilung der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik veranstaltete noch bis 1941 mehrere Konzerte mit neuen Werken der Wolpe-Schüler. Einen ganz neuen Impuls seiner musikalischen Entwicklung erhielt Rosenberg durch den Dirigenten Hermann Scherchen, der im Frühjahr 1939 während eines Gastspiels beim Palestine Orchestra in Tel Aviv einen Kurs veranstaltete. Rosenberg folgte Scherchen im Juli/August nach Neuchâtel in die Schweiz zu dessen regulärem Kurs, um neben Arthur Gelbrun, Pierre Colombo, Ernst Schärer und Frieda Belinfante einen ganz unakademischen, unkonventionellen Unterrichtsstil zu erleben. „Immer wieder betonte er in seinen Kursen, dass das Publikum Musiker braucht, die ihm das Komponierte vermitteln, dass ein Dirigent für die Hörer da ist und nicht umgekehrt. Und man müsse ihnen mehr geben als puren Ohrenschmaus, müsse Begeisterung für die Komponisten entfachen und nicht für die Dirigierleistung“ (AdK RosenbergW 152, Wolf Rosenberg, Hermann Scherchen, Typoskript vom 15. Sept. 1984). Zurück in Palästina, setzte Rosenberg seinen Unterricht bei dem Dirigenten Michael Taube in Tel Aviv fort und unterrichtete später selbst Komposition und Analyse in Jerusalem.

Als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die politischen Spannungen in Palästina zunahmen, verließ Rosenberg, der kein Anhänger der zionistischen Bewegung war, das Land. Nach einem längeren Zwischenaufenthalt auf Zypern, wo er als Barpianist musizierte, gelangte er im Oktober 1947 nach Zürich. Dort schrieb er sich am Konservatorium in der Dirigierklasse ein. Beim Radio Beromünster wirkte Hermann Scherchen, der ihm zur Aufnahme und Sendung einiger Liedkompositionen verhalf. Im Zürcher Schauspielhaus traf er auf einen Kreis deutscher Emigranten und freundete sich mit Fritz Kortners Tochter Marianne an. Die Tänzerin Jo Mihaly – eigentlich Elfriede Steckel – engagierte Rosenberg für eine dreimonatige Tournee durch Deutschland als Klavierbegleiter. Das dafür nötige Visum für die amerikanische Zone erhielt er durch die Unterstützung von Karl Amadeus Hartmann. So kam er im Herbst 1948 zunächst nach München und im Anschluss an die Tournee nach Frankfurt am Main. Hier wurde er Geschäftsführer des im Auftrag der KPD von Jo Mihaly, der Geschäftsführerin der Freien Deutschen Kulturgesellschaft, gegründeten Chopin-Komitees. Seit Februar 1949 arbeitete Rosenberg für den Schulfunk von Radio Frankfurt (Hessischer Rundfunk). Im Oktober 1950 wurde er an die neugegründete Deutsche Hochschule für Musik nach Berlin (Ost) berufen und unterrichtete Klavier und Theorie. In einer Atmosphäre des Misstrauens gegen Remigranten verdächtigte man ihn als „zionistischen Spion“, worauf er nach Westberlin flüchtete und spätestens im April 1951 in die Bundesrepublik zurückkehrte. Dort wohnte er zeitweise bei seinem Freund Wolfgang Hildesheimer in Ambach am Starnberger See; beide lebten von Romanübersetzungen aus dem Englischen und verfassten gemeinsam ein Hörspiel. Von 1952 bis 1954 übernahm Rosenberg redaktionelle Arbeiten im Zeitungswesen, betrachtete die Remigration nach Deutschland nur als Zwischenstation und hielt sich den Ausweg über eine zweite Emigration offen. 1954 ließ er sich endgültig in München als freier Autor und Komponist nieder, ein Status, der nur 1966 und 1968-1971 durch Gastvorlesungen an US-amerikanischen Universitäten unterbrochen wurde. Eine große Hörerschaft hatten seine Musiksendungen im Rundfunk, wo er über 30 Jahre lang seine kenntnisreichen und geschliffen formulierten Texte mit seiner ungewöhnlich sonoren Stimme vortrug.

Die kompositorische Hinwendung zur elektronischen Musik seit 1968 wurde sicher durch seinen Freund Herbert Brün beeinflusst. Die schmale schriftliche Überlieferung seines kompositorischen Werkes ist seiner selbstkritischen Haltung geschuldet. Seine Streichquartette Nr. 2 und 3 sind Auftragswerke des LaSalle-Quartetts mit dem Primarius Walter Levin, der ebenfalls ein enger Freund seit der Exilzeit war. Sein Buch „Die Krise der Gesangskunst“ (1968) ist eine Kritik am modernen Gesangsbetrieb und nach wie vor aktuell.

Wolf Rosenberg starb am 18. Jan. 1996 in Frankfurt am Main.

Hauptquellen: AdK RosenbergW, PSSt WolpeS, KochGR 1996


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